Die Unternehmensbewertung ist ein essenzieller Prozess für Investoren, Verkäufer und Geschäftsinhaber. Das Ertragswertverfahren zählt zu den etabliertesten Methoden, um den Wert eines Unternehmens basierend auf seinen zukünftigen Erträgen zu bestimmen. In einem volatilen Marktumfeld bietet es eine verlässliche Grundlage für fundierte Entscheidungen. Doch wie funktioniert die Ertragswertberechnung genau, und welche Faktoren beeinflussen das Ergebnis maßgeblich? Dieser Beitrag liefert eine umfassende Erklärung und praktische Anleitungen zur Anwendung des Ertragswertverfahrens.
Berechnung des Ertragswertverfahrens: Schritt-für-Schritt
Das Ertragswertverfahren basiert auf der Prognose zukünftiger Erträge und deren Abzinsung auf den gegenwärtigen Wert. Hier sind die wesentlichen Schritte zur Berechnung:
Schritt 1: Ermittlung der zukünftigen Erträge
Zunächst werden die erwarteten zukünftigen Erträge des Unternehmens geschätzt. Dies erfolgt durch die Analyse historischer Finanzdaten, Markttrends und unternehmensspezifischer Faktoren. Der Prognosezeitraum erstreckt sich typischerweise über 3 bis 5 Jahre, wobei Umsatz- und Gewinnvorschauen erstellt werden.
Schritt 2: Bereinigung der Erträge
Die prognostizierten Erträge werden um außergewöhnliche, einmalige oder nicht betriebsnotwendige Posten bereinigt. Ziel ist es, die nachhaltige Ertragskraft des Unternehmens realistisch darzustellen und Verzerrungen durch ungewöhnliche Ereignisse zu vermeiden.
Schritt 3: Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes
Der Kapitalisierungszinssatz reflektiert das Risiko und die Kapitalstruktur des Unternehmens. Er setzt sich aus einem risikofreien Basiszins und einem Risikoaufschlag zusammen. Dieser Zinssatz dient dazu, die zukünftigen Erträge auf den Bewertungsstichtag abzuzinsen.
Schritt 4: Diskontierung der zukünftigen Erträge
Die bereinigten zukünftigen Erträge werden mithilfe des Kapitalisierungszinssatzes auf den heutigen Wert abgezinst. Dies erfolgt mittels der Barwertformel, die den Gegenwartswert der zukünftigen Zahlungen berechnet und somit den aktuellen Unternehmenswert ermittelt.
Schritt 5: Ermittlung des Unternehmenswertes
Der Unternehmenswert ergibt sich aus der Summe der abgezinsten zukünftigen Erträge. Zusätzlich werden häufig die Endwerte, also die Erträge über den Prognosezeitraum hinaus, als ewige Rente berücksichtigt, um den vollständigen Wert des Unternehmens zu erfassen.
Einflussfaktoren auf den Ertragswert
Der Ertragswert eines Unternehmens wird von verschiedenen internen und externen Faktoren beeinflusst:
Die Qualifikation und Erfahrung der Mitarbeiter sind entscheidend für den zukünftigen Erfolg. Hochqualifizierte Teams fördern Innovation und Effizienz, was die Ertragskraft nachhaltig stärkt.
Eine breite und loyale Kundenbasis sorgt für stabile Einnahmen. Hohe Kundenbindung und Zufriedenheit führen zu wiederkehrenden Umsätzen und mindern das Risiko von Umsatzschwankungen.
Optimierte und effiziente Geschäftsprozesse reduzieren Kosten und erhöhen die Gewinnmargen. Prozessinnovationen können den operativen Erfolg maßgeblich steigern und somit den Ertragswert erhöhen.
Starke Markenrechte, Patente und Lizenzen verschaffen Wettbewerbsvorteile und ermöglichen höhere Margen. Immaterielle Werte sind oft entscheidend für die langfristige Ertragsfähigkeit eines Unternehmens.
Die Mischung aus Eigen- und Fremdkapital beeinflusst das finanzielle Risiko und die Kapitalkosten. Eine ausgewogene Kapitalstruktur trägt zu einer stabilen Ertragskraft bei und wirkt sich positiv auf den Ertragswert aus.
Unternehmenswertrechner von EUROCONSIL: Ein Praktisches Tool
Euroconsil bietet einen benutzerfreundlichen Unternehmenswertrechner, der auf dem EBIT-Multiplikatorenverfahren basiert. Dieses Tool ermöglicht eine schnelle, allerdings grobe Ersteinschätzung des Unternehmenswerts, indem es verschiedene Parameter wie Erlöse und Kosten, Branche und Unternehmensgröße berücksichtigt. Besonders für kleine Unternehmen ist es als Basis einer Ersteinschätzung ein einfach anzuwendendes Tool und wertvolle Unterstützung, da es zunächst auf komplexe Berechnungen verzichtet.
Einschränkungen des Unternehmenswertrechners:
- Aktivierte Vermögensgegenstände: Der Rechner berücksichtigt keine aktivierten Vermögenswerte und deren Differenz zu den tatsächlichen Marktwerten, was zu einer möglichen Unterschätzung des Unternehmenswerts führen kann.
- Erste Orientierung: Der Rechner bietet eine erste Einschätzung. Für eine präzisere Bewertung empfiehlt EUROCONSIL eine umfassendere Unternehmensbewertung nach mehreren Unternehmensbewerungsverfahren, die bei Bedarf zu einem attraktiven Preis erstellt wird.
Vergleich von Berechnungsmethoden: Ertragswertverfahren vs. Alternativen
Neben dem Ertragswertverfahren existieren weitere Methoden zur Unternehmensbewertung, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen:
Ertragswertverfahren
Fokussiert sich auf zukünftige Erträge und ist ideal für Unternehmen mit stabilen Einnahmen. Es bietet eine realistische Bewertung basierend auf den erwarteten finanziellen Leistungen.
Substanzwertverfahren
Bewertet ein Unternehmen anhand seines materiellen Vermögens abzüglich der Schulden. Diese Methode ist besonders geeignet für Unternehmen dessen Anlagevermögen und Eigenkapital im Vergleich zu der Ertragskraft der Firma sehr hoch ist. Auch im Fall einer Liquidation wird häufig auf die Substanzwermethode zurückgegriffen.
Multiplikatorverfahren
Verwendet branchenübliche Multiplikatoren wie Umsatz, EBIT oder EBITDA zur Bewertung. Es ist einfach und schnell anzuwenden, berücksichtigt jedoch nicht die individuellen Besonderheiten des Unternehmens und kann stark von Marktbedingungen beeinflusst werden.
Empfehlung von EUROCONSIL:
EUROCONSIL empfiehlt die Kombination mehrerer Bewertungsverfahren in einem umfassenden Gutachten. Dies ermöglicht einen „Wertkorridor“, der verschiedene Perspektiven berücksichtigt und eine fundierte, ganzheitliche Unternehmensbewertung gewährleistet.
Fazit
Das Ertragswertverfahren ist ein maßgebliches Instrument zur Unternehmensbewertung, das das zukünftige Gewinnpotenzial in den Fokus stellt. Faktoren wie Mitarbeiterqualifikation, Kundenbindung, effiziente Geschäftsprozesse und immaterielle Werte sind entscheidend für einen präzisen Ertragswert. EUROCONSIL empfiehlt die Kombination verschiedener Bewertungsmethoden für ein umfassendes und belastbares Gutachten. Mit Unterstützung von EUROCONSIL erhalten Sie fundierte Bewertungen an den IDW-S1 Standard angelehnt, die Sie optimal auf unterschiedliche Kaufinteressenten vorbereiten. Kontaktieren Sie uns jetzt, um mehr über unsere Dienstleistungen zu erfahren und Ihre spezifischen Bewertungsanforderungen zu besprechen.
Weitere Informationen zum Autor:
Sebastian Göring
Standort EUROCONSIL Stuttgart
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